Hohe Servierfähigkeit | Best-of SAP Basis & Security – Juni 2021

Autor: Tobias Harmes | 30. Juni 2021

#podcast, #story

Andere Disziplinen haben manchmal die gleichen Probleme wie man selbst. In der professionellen Gastronomie gibt es für hohe Durchsatz- und Qualitätsniveaus ein System mit dem Namen „Mise en place“. Womit ich nicht gerechnet habe, waren die vielen Parallelen zum stabilen IT-Betrieb.

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Editorial

Wenn ich mittendrin in meinem Fachthema bin, dann fällt es mir oft nicht leicht zu glauben, dass andere Disziplinen die gleichen Probleme haben – und dafür auch Lösungen geschaffen haben. So eine Beobachtung hatte ich kürzlich, als ich das Buch „Work clean“ von Dan Charnas gelesen habe. Darin überträgt der Autor seine Beobachtung über die Effektivität und Effizienz in Großküchen auf generelle Empfehlungen für die eigenen Produktivität. Womit ich nicht gerechnet habe, waren die vielen Parallelen einer Großküche zum Thema stabiler IT-Betrieb.

Doch es macht absolut Sinn: Wenn in einem großen Restaurant Gäste zur Hauptzeit am Abend etwas bestellen, dann werden Zutaten im Akkord verbraucht, die über den Tag bereits vorbereitet worden sind. Wenn dann wegen schlechter Planung oder Fehlern etwas für ein Gericht fehlt, dann kann der ganze Teller nicht serviert werden. Ein 90%-fertiger Teller ist immer noch 10% entfernt von einem zufriedenen Kunden, ein 80/20-Paretoansatz funktioniert hier nicht. SAP-User kennen das, wenn das Fiori-Launchpad fast geladen ist.

Mise en place

Um bei jedem Workload einen hohen Durchsatz bei hoher Qualität zu garantieren, verwenden professionelle Küchen in der ganzen Welt ein Konzept, das „Mise en place“ genannt wird. Übersetzt werden kann das mit „Alles an seinem Platz“. Das ist eine Mischung aus Checklisten, Arbeitsgewohnheiten und vielleicht auch Lebenseinstellung.

Bei „Mise en place“ ist alles auf die Produktion und Auslieferung ausgerichtet. Die Reihenfolge der Zubereitung wird penibel geplant (das Steak kann nicht morgens gebraten werden), die vorbereiteten Zutaten und notwendige Werkzeuge liegen alle in Griffweite des Kochs – natürlich liegt bei einem Rechtshänder das Messer auf der rechten Seite.

Dazu kommen laufende Maßnahmen. Jeder (auch der Küchenchef) hilft dabei mit, immer voll arbeitsfähig zu sein, indem er seinen Arbeitsplatz aufräumt und sauber hält. Ständig während der Produktion und nicht erst abends. Es gibt keinen abendlichen Groß-Abwasch. „Eine Großküche kann es sich nicht leisten, irgendwann am Tag das große Reinemachen zu machen, es muss immer weitergehen“. Das kennt jedes Unternehmen mit 24/7-Produktion und hochverfügbarer IT-Umgebung.

Kill it with iron

Wie schwer es fällt, wenn das Saubermachen aufgeschoben wird, beobachte ich zurzeit bei S/4HANA-Projekten. Die meisten Kunden mit langer SAP-Historie können auf eine stattliche Datenbank mit mehr als 10 bis 20 Jahren Geschäftsdaten blicken (im Gesundheitswesen sogar 50 Jahre). Es gab die letzten Jahre auch keinen Grund hier aufzuräumen, denn wenn der Speicher knapp wurde, hat man welchen dazugekauft. Eben das KIWI-Prinzip (Kill It With Iron).

Mit S/4HANA tritt an die Stelle von billigem Massenspeicher der – im Vergleich immer noch sündhaft teure – Hauptspeicher. Da gibt es keine Chance, das mal eben so im Ganzen „rein zu heben“. Praktisch alle Kunden bekommen daher ein Archivierungsprojekt ins Hausaufgabenheft geschrieben. Also erneut. Denn die DSGVO schreibt das ja eigentlich sowieso schon vor.

Archiv-Angst

Es gibt aber noch weitere Bedenken gegen eine Archivierung, die uns in unseren Projekten begegnen. Zum Beispiel die Angst des Fachbereichs „nicht einfach so an die Daten heranzukommen“. Da wird dann auch mal der Content-Server als Pseudo-Archiv missbraucht. Sicher ist etwas anderes. Dabei können aktuelle Archivierungslösungen die Daten so gut heranholen, als wäre das Gemüse frisch vom Feld und nicht aus dem Gefrierfach von Iglo. Solche automatischen Aufräumregeln könnten von der Sorge befreien, das Falsche zu archivieren oder im Falle der DSGVO sogar zu löschen. Kein manuelles Abwaschen und Aufräumen notwendig.

Erwartungen an die Küche

„Mise en place“ dient letzten Endes auch dazu, den Stress bei der Zubereitung und Auslieferung zu reduzieren. Egal, ob es mit dem S/4HANA-Projekt schon konkret ist oder nicht – mit einem aufgeräumten System kann man den anspruchsvollen Fachbereich um einiges gelassener bedienen. Das spart letztendlich einiges an Stress und Hektik.

Herzliche Grüße
Tobias Harmes

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