Tobias Harmes
13. Februar 2026

Business Continuity Management System (BCMS)

BCMS

Ein Business Continuity Management System, kurz BCMS, ist das organisatorische Rahmenwerk, mit dem Unternehmen ihre Geschäftsfortführung in Krisen sichern. Es umfasst Regeln, Rollen, Prozesse und Nachweise, um kritische Produkte und Dienstleistungen auch bei Ausfällen bereitzustellen.

Definition und Zielbild

Business Continuity beschreibt die Fähigkeit einer Organisation, geplante Betriebsziele trotz Störungen zu erreichen. Ein BCMS übersetzt dieses Ziel in ein systematisches Managementsystem. Es legt den Geltungsbereich fest, definiert kritische Wertschöpfung, ordnet Verantwortlichkeiten zu und schafft Messgrößen für Wirksamkeit. 

Ein BCMS orientiert sich meist an ISO 22301, folgt dem PDCA-Zyklus für kontinuierliche Verbesserung und bindet alle Unternehmensbereiche ein, nicht nur die IT. 

Typische Leitfragen sind: Welche Leistungen sind zeitkritisch, wie lange dürfen sie maximal ausfallen, wie schnell müssen wir wieder liefern und welche Ressourcen sind dafür unverzichtbar? 

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Kernbegriffe

Damit im Notfall keine Zeit mit Grundsatzfragen verloren geht, braucht ein BCMS gemeinsame Begriffe und klare Zielgrößen, an denen sich Planung, Tests und Entscheidungen ausrichten. 

  • Business Impact Analysis: ermittelt geschäftliche Auswirkungen von Ausfällen und markiert zeitkritische Prozesse. 
  • Risikoanalyse: bewertet Ursachen und Eintrittswahrscheinlichkeiten von Störungen. 
  • RTO und RPO: Zielwerte für Wiederanlaufzeit und Datenverlust. RTO (Recovery Time Objective) beschreibt die maximal akzeptable Zeit, bis ein Prozess oder Service nach einem Ausfall wieder verfügbar sein muss. 
  • MTPD oder MAO: maximale Toleranzdauer eines Ausfalls, bevor der Schaden untragbar wird. MTPD (Maximum Tolerable Period of Disruption) bezeichnet die längste Zeit, die eine Unterbrechung insgesamt noch verkraftbar ist. 
  • PDCA-Zyklus: kontinuierlicher Verbesserungszyklus aus Plan, Do, Check, Act. Er beschreibt das wiederkehrende Vorgehen, Maßnahmen zu planen (Plan), umzusetzen (Do), zu überprüfen (Check) und gezielt nachzuschärfen (Act), damit das BCMS dauerhaft wirksam bleibt. 
  • Continuity-Strategie: organisatorische und technische Mittel, um Zielwerte im Ernstfall zu erreichen. 
  • Übungen und Tests: geplante Proben, die Wirksamkeit und Zusammenarbeit verifizieren. 

Funktionsweise und Vorgehensmodell 

Kontext und Scope klären
Das BCMS beginnt mit einer Leitlinie der Geschäftsführung. Darin werden Ziele, Geltungsbereich und Schnittstellen festgelegt, etwa zu ISMS, Risikomanagement und Krisenkommunikation. Der Scope kann das gesamte Unternehmen oder priorisierte Einheiten umfassen. 

Informationssicherheit bleibt ein entscheidendes Thema – Anforderungen durch gesetzliche Vorgaben wie NIS-2, Erwartungen Ihrer Kunden und prüferische Kontrollen machen eines klar: Ohne ein strukturiertes Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) ist nachhaltige Informationssicherheit schwer zu gewährleisten. Aber wie geht man die Einführung eines ISMS pragmatisch und zielgerichtet an?

Business Impact Analysis (kurz: BIA)
In Workshops mit Fachbereichen werden kritische Produkte, Services und Prozesse identifiziert. Zu jedem Prozess werden MTPD, RTO, RPO und Abhängigkeiten erhoben, etwa Personal, Standorte, Anwendungen, Daten, Lieferanten und Kommunikationswege. Die BIA priorisiert, was zuerst wiederhergestellt werden muss. 

Risikoanalyse
Auf Basis von Bedrohungen wie Ausfall von Rechenzentrum, Ransomware, Zulieferstörungen, Fachkräftemangel, Strom oder Gebäude werden Szenarien bewertet. Das Ziel sind realistische, wirtschaftlich vertretbare Maßnahmen, die typische Kettenreaktionen durchbrechen. 

Strategien auswählen
Für priorisierte Prozesse werden Wiederanlauf- und Ersatzverfahren beschrieben. Beispiele sind Ausweicharbeitsplätze, Netzwerk-Redundanzen, Cloud-Failover, Ersatzlieferanten, manuelle Notprozesse, alternative Transportwege oder temporäre Dienstleister. Die Auswahl erfolgt entlang von Kosten, Umsetzbarkeit und Zielwerten aus der BIA. 

Notfall- und Wiederanlaufpläne erstellen
Konkrete Pläne beschreiben, wer wann was tut. Sie umfassen Alarmierung, Entscheidungswege, Kommunikationsbausteine, Rollen im Krisenstab, Eskalationen, Notfallkontakte, technische Runbooks für Anwendungen sowie Arbeitsanweisungen für manuelle Übergangsprozesse. Dokumente sind versioniert, leicht auffindbar und für Übungen geeignet. 

Übungen, Tests und Schulungen
Regelmäßige Proben festigen das Zusammenspiel. Tabletop-Übungen testen Entscheidungen und Kommunikation. Technische Tests prüfen Backups, Failover, Restore und Notarbeitsplätze. Teilnahmeraten, Abweichungen und Korrekturmaßnahmen werden dokumentiert. Mitarbeiter erhalten ein prägnantes Training zum eigenen Beitrag im Ernstfall. 

Betrieb und Verbesserung
Kennzahlen wie Planabdeckung, Testquote, Zielerreichung bei RTO oder RPO, Lieferantenstatus und Zeit bis zur Krisenstabseinberufung werden verfolgt. Ereignisse und beinahe Vorfälle fließen als Lessons Learned in das BCMS zurück. Management-Reviews und interne Audits sichern den PDCA-Zyklus. 

Rollen und Verantwortlichkeiten

Die Geschäftsführung definiert Zielbild und stellt Ressourcen bereit. Ein BCM-Owner oder eine zentrale Stelle koordiniert Methodik, Pflege der Pläne und Übungen. Fachbereiche verantworten ihre Continuity-Prozesse, IT liefert technische Wiederanlauffähigkeit. Einkauf und Legal binden Lieferanten vertraglich ein, Kommunikation bereitet Botschaften für Kunden, Behörden und Öffentlichkeit vor. In größeren Organisationen arbeitet ein Krisenstab mit klaren Befugnissen. 

Integration mit bestehenden Systemen

Ein reifes BCMS verzahnt sich mit dem Informationssicherheitsmanagement, der IT-Servicekontinuität und dem Notfallmanagement. 

 Ein ISMS schützt vertrauliche, integre und verfügbare Informationen, während das BCMS den Geschäftsbetrieb als Ganzes absichert. Disaster Recovery und IT-Service Continuity sind Teilmengen des BCMS. Servicemanagement und Change-Prozesse stellen sicher, dass Änderungen an Anwendungen oder Lieferketten auch die Continuity-Pläne aktualisieren. 

Relevanz und Nutzen

Die Bedeutung eines BCMS steigt mit regulatorischen Erwartungen, global vernetzten Lieferketten und digitaler Abhängigkeit. Ein strukturiertes BCMS reduziert Ausfallzeiten, stützt vertragliche und gesetzliche Pflichten und schafft Vertrauen bei Kundinnen, Partnern und Aufsichtsbehörden. Es macht Entscheidungen im Ereignisfall schneller und konsistenter, senkt Fehlerquoten und erleichtert Audits sowie Versicherungsnachweise. Nicht zuletzt hilft es, Investitionen zu priorisieren, da BIA und Risikoanalyse die wirklichen Engpässe sichtbar machen. 

Typische Fehlerquellen

Häufige Schwachstellen sind zu große oder zu kleine Scopes, Papierpläne ohne Übungen, fehlende Lieferanteneinbindung, unklare Eskalationswege und veraltete Kontaktlisten. Auch ein reines IT-Verständnis ohne Einbindung der Fachbereiche verfehlt das Ziel. Wirksam ist, was trainiert, aktualisiert und in den Alltag integriert wird. 

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Erfolgskriterien

Erfolgreiche BCMS sind schlank dokumentiert, rollenorientiert, geübt und messbar. Pläne sind dort verfügbar, wo sie gebraucht werden. Übungen fokussieren realistische Szenarien und enden mit klaren Verbesserungsmaßnahmen. Das Management überprüft regelmäßig Zielerreichung und Ressourcenlage. Lieferanten und Partner sind mit definierten Notfallkontakten, Service Levels und Ersatzverfahren eingebunden. 

Fazit

Erstens ein klares Mandat und einen pragmatischen Scope definieren. Zweitens eine BIA mit zwei bis drei wichtigsten Services durchführen und die ersten RTO- und RPO-Ziele festlegen. Drittens ein Minimum an Notfallplänen erstellen und in einer kurzen Übung testen. Aus diesem Kern heraus lässt sich das BCMS schrittweise verbreitern und vertiefen. 

FAQs

Was ist der Unterschied zwischen BCM und BCMS?

BCM beschreibt die Gesamtdisziplin der Geschäftsfortführung. Ein BCMS ist das formale Managementsystem dahinter, das Ziele, Rollen, Prozesse, Dokumente und Messgrößen festlegt. 

Worin unterscheidet sich Business Continuity von Disaster Recovery?

Business Continuity umfasst alle organisatorischen und technischen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung geschäftskritischer Leistungen. Disaster Recovery fokussiert den IT-Wiederanlauf, etwa Systeme, Daten und Infrastruktur. 

Wie oft sollten Notfallpläne getestet werden?

Mindestens einmal jährlich, bei kritischen Prozessen häufiger. Zusätzlich sollten wesentliche Änderungen an Prozessen, Systemen oder Lieferanten Anlass für gezielte Zwischenübungen sein. 

Wer kann mir beim Thema Business Continuity Management System (BCMS) helfen?

Wenn Sie Unterstützung zum Thema Business Continuity Management System (BCMS) benötigen, stehen Ihnen die Experten von RZ10, dem auf dieses Thema spezialisierten Team der mindsquare AG, zur Verfügung. Unsere Berater helfen Ihnen, Ihre Fragen zu beantworten, das passende Tool für Ihr Unternehmen zu finden und es optimal einzusetzen. Vereinbaren Sie gern ein unverbindliches Beratungsgespräch, um Ihre spezifischen Anforderungen zu besprechen.


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