Und wo geht hier KI schon? | DSAG-Technologietage 2026 – Recap

Autor: Tobias Harmes | 18. März 2026

1 | #dsagtt

Die DSAG-Technologietage 2026 fanden dieses Jahr in Hamburg statt. Rund 3000 Teilnehmer tauschten sich über Best Practices und Technologien im SAP-Umfeld aus. Die bange Frage in jede Richtung: Und, wieviel KI nutzt ihr bei euch eigentlich schon?

Danke DSAG!

Vorweg, die DSAG hat wieder eine beeindruckende Veranstaltung auf die Beine gestellt. So geballt bekommt man den Erfahrungsaustausch von SAP-Kunden für SAP-Kunden nirgendwo anders. Als Dienstleister im SAP-Ökosystem sage ich an dieser Stelle: Danke dafür!

SAP, was geht denn hier wirklich?

Die Technologietage beginnen traditionell mit den Keynotes. Auch der neue DSAG-Technologievorstand Stefan Nogly nutzte die Möglichkeit, die Forderungen des DSAG an die SAP auf der Bühne zu formulieren.

SAP hat laut Nogly eine erkennbare KI-Strategie, aber in vielen Unternehmen scheitert der praktische Einstieg noch an hohen Hürden, fehlender Datenreife und zu viel Komplexität. Während SAP ein “jetzt loslegen” ruft, winken Unternehmen frustriert mit “so noch nicht produktiv nutzbar” ab. Und da hilft auch nicht die schiere Anzahl der Agents, die von SAP bereitgestellt werden, solange es eher Engpässe in der Integration gibt. Die Einstiegshürden sind so hoch, dass von Kunden Workarounds und Provisorien geschaffen werden, die erfahrungsgemäß schnell von Dauer sind. Der Appell an SAP: Mehr belastbare Informationen liefern, was als nächstes in diesem Bereich von Kunden wirklich genutzt werden kann.

Den Nutzen gibt es unterwegs

Die Botschaft von SAP CTO Philipp Herzig war dann sinngemäß: Nicht hadern, sondern einfach mal machen. Unternehmen sollen Nutzen durch KI schaffen, obwohl die Zielarchitektur noch nicht vollständig steht. Und während man die KI nutzt, kann man in dem Lernprozess schrittweise den Nutzen und die Architektur verbessern. Sein Beispiel: SAP selbst mit verschiedenen Agenten wie SAP Joule for Consultants.

Der Appell Learning by Doing wirkte auf mich in dieser Situation einigermaßen kurios, denn während die DSAG ruft: „Wir wissen nicht, wie wir mit SAP und KI starten sollen.“ ruft die SAP: „Wo bleibt ihr denn, wir machen hier bei SAP schon ganz viel.“ Auch in den persönlichen Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass eigentlich gar nicht so viel Unternehmen damit hadern, mit KI loszulegen. Im Gegenteil, die KI PoC sind schon abgeschlossen, man geht jetzt in die nächste Stufe. Aber was eben nicht passiert ist, die KI-Projekte mit SAP Werkzeugen wie Joule zu machen. Weil es noch krampfig ist. Stattdessen höre ich öfter, dass man mit n8n, einem MCP-Server und selbstgestrickten API-Zugriffen sich die Daten holt, die man für den Job aus dem SAP braucht.

Übrigens hatte Herzig einen interessanten Take auf die Frage, ob man heute noch Fiori-Apps bauen sollte. Laut Herzig sind die Investitionen in Fiori geschützt, auch wenn Joule später das Frontend zum Kunden übernimmt. Joule benötigt zwar keine Buttons, aber sehr wohl die mit der App zusammen entwickelten CDS-Views, Berechtigungen und Fiori-Actions. Und wenn der User dann eines Tages per Joule-Chat die Aufgabe erledigen will, erzeugt die Fiori-App trotzdem noch nutzen.

Wer will keine Sicherheit?

Und dann war da noch das Thema Sicherheit irgendwie auf die Agenda gerutscht, die natürlich im Zusammenhang mit KI noch mal wichtiger ist. Nur hatte ich das Gefühl, dass erstens nichts neues bezüglich Security gesagt wurde und zweitens niemand im Publikum in Frage gestellt hat, dass es Sicherheit gerade bei KI benötigt. Typischerweise scheitert die Sicherheit nicht an dem Willen der Admins, Entwicklern und Architekten, sondern schlicht an dem Mangel an Budget was dafür freigegeben wird.

Und, macht ihr schon KI?

In persönlichen Gesprächen wurde auf die Frage: „Und macht ihr schon KI?“ erst mal reserviert geantwortet. „Ich bin da skeptisch, wir müssen mal gucken, nee, machen wir noch nicht. Datenschutz! Lizenzen!“ Auf die Frage, ob schon mal Claude Code genutzt worden ist, kamen dann leuchtende Augen und Berichte davon, wieviel das schon nützt – abseits von SAP.

Liebe SAP, die Leute legen schon los mit KI, nur ohne euch. Wir brauchen nicht noch mehr Agents, wir brauchen ein kostenloses Joule zum Anfassen und Ausprobieren.


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Tobias Harmes

Experte, Speaker, Herausgeber rz10.de

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