Während das Netz geflutet wird von mit KI-Hilfe erzeugten Software-Klonen von Spielen und Anwendungsprogrammen, verkünden schon einige das Ende von Closed-Source-Software als Geschäftsmodell. Den Zahlen von SAP tut das noch keinen Abbruch, vielleicht auch, weil man den Mehrwert von SAP nicht allein in ausführbaren Programmen weiß.
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Client-Software am Ende
Eric S. Raymond, eines der Open-Source-Schwergewichte, hat diesen Monat Closed Source für „faktisch am Ende“ erklärt. Die Gründe sind unter anderem sehr populäre Werkzeuge zum Reverse-Engineering von Programmen in ihren Source Code mit der Hilfe von KI („REA – reverse engineer anything“). Mit dem Effekt, dass ich plötzlich als Mario & Luigi im Videospiel Elden Ring Monster verhauen kann. Aber eben auch, dass es plötzlich funktionierende Klone von Industrie-Standard-Software wie Photoshop oder Microsoft Word gibt.
Dass Software-Hersteller von Wettbewerbern jetzt einfach mit einem Claude-Abo im Featureset überholt werden können, hat ja schon im Sommer ziemlich auf den Aktienkurs von SaaS-Anbietern geschlagen. Der Ansatz mit dem Reverse Engineering von lokaler Software ist jetzt noch mal die Steigerung, weil es automatisiert erlaubt, die Interna einer Software auseinanderzupflücken. Und das passiert, egal, ob das vielleicht ein rechtlicher Graubereich ist oder nicht. Ist das also kurz vor dem Wartungsende von SAP ERP die Ausfahrt für Unternehmenskunden?
Blickt man auf die aktuellen Zahlen von SAP, ist davon noch nicht viel zu spüren. Im Gegenteil, der Aktienkurs hat sich nach dem SaaS-Schock erholt, SAP macht solide Gewinne und wächst deutlich im Cloud-Geschäft. Anscheinend hat SAP-CEO Christian Klein die richtigen Hebel gedrückt.
Was kann schon passieren?
Für Enterprise-Kunden sehe ich vor allem zwei Konsequenzen aus den aktuellen Möglichkeiten, bestehende Enterprise-Software zu reverse-engineeren und/oder per LLM selbst zu entwickeln:
1. Alle On-Premise-Kunden können sich auf massive notwendige Security-Patch-Updatewellen einstellen
Die Zahl der gefundenen Sicherheitslücken wird in den nächsten Monaten dramatisch steigen, auch bei SAP. Gerade erst hat eine eigentlich steinalte PHP-Sicherheitslücke Millionen von Webseiten gefährdet. Die Lücke zu finden, war der Erfolg von Security-Researchern zusammen mit massivem KI-Einsatz. Wenn ein Angreifer nun Kernel und saprouter lange genug auseinandernimmt, um an den Source Code zu kommen, dann braucht er nicht mehr herumzustochern. Er kann eine innere Sicherheitsanalyse machen und viel komplexere (und zuvor als akademisch verworfene) Angriffe entwerfen. Es benötigt neue oder zumindest optimierte Prozesse in jedem Unternehmen, die das effektive Patching viel schneller schaffen. Und dabei fest einplanen, dass auf Updates gewartet werden muss, während Angriffe schon laufen.
2. Software-Hersteller wie SAP werden sich noch stärker in die Cloud zurückziehen, um ihren Wert zu schützen
Wenn meine Software zu jeder Zeit komplett zerlegt und nachgebaut werden kann, dann werden lokale Server, soweit es die Lizenz- und Wartungsverträge erlauben, abgeschafft. Oder die Software wird auf das technisch Notwendige gestutzt. Was wäre zum Beispiel, wenn die Steuerprüfung eines Geschäftsprozesses in Zukunft verpflichtend über einen Service in der BTP abgenickt werden muss? Dann hätten wir sozusagen einen Cloud-Kopierschutz. Ein Mechanismus, der im Gaming-Bereich schon gang und gäbe ist.
Vorerst keine mysap.exe
Christian Klein hat im Fireside-Chat am letzten Tag des DSAG-Jahreskongresses betont, wo der Schwerpunkt der Entwicklung bei SAP liegt. Nicht in neuen Features der Software, die dann nur von 1 % der Kunden wirklich genutzt werden. Sondern im Ausbau des Knowledge Graphs, in dem Regulatorik (Steuergesetze, Arbeitsgesetze etc.) und Geschäftsprozesse hinterlegt sind. Und dieses Wissen teilt SAP nicht mit den Large Language Models. Die Agenten und Assistenten nutzen eben dieses Wissen und sind der bequeme Zugang zu dem Knowhow.
Ich weiß zwar nicht, wie SAP langfristig die Extraktion des zentralen Wissens verhindern will – aber was nützt mir auch der Export mit Stichtag von heute für die Zukunft? Ich brauche als Unternehmen jeweils die aktuelle Version – und damit ist der Wert (und das Geschäftsmodell) von SAP weiterhin gesichert. Zumindest vorerst.
Herzliche GrĂĽĂźe
Tobias Harmes
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Erste BTP-Services laufen produktiv, doch Berechtigungen, Konfiguration und Benutzerverwaltung sind noch nicht mitgewachsen? Dieses Event zeigt Ihnen das Fundament einer sicheren SAP Cloud: ein tragfähiges BTP-Security-Konzept und ein Identity & Access Management, das On-Premise und Cloud gemeinsam bedient.
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Am 25.11.2026 | SAP-Expertenforum in Heidelberg: S/4HANA – was jetzt? Business-Nutzen aus Ihrer neuen Systemlandschaft ziehen
Die S/4HANA-Migration ist geschafft oder steht kurz bevor – jetzt geht es darum, konkreten Mehrwert aus dem neuen System zu ziehen. Beim Expertenforum in Heidelberg zeigen wir Ihnen anhand konkreter Kundenbeispiele, wie Sie Prozesse vereinfachen und Ihre SAP-Landschaft mit Fiori, individuellen Anwendungen und passenden KI-Einsatzmöglichkeiten weiterentwickeln. Außerdem können Sie sich mit anderen SAP-Verantwortlichen über Erfahrungen und nächste Schritte austauschen.
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