Die DSAG fordert mehr Produktreife, die SAP beteuert wirklich nützliche Agenten mit hohem Mehrwert zu bieten. Der DSAG-Jahreskongress 2026 findet erstmals in Köln statt, erneut ist die Veranstaltung gewachsen, mehr als 6000 Teilnehmer sind gemeldet. Die DSAG sieht den Druck durch S/4HANA-Transformation und das Interesse an Agenten in Geschäftsprozessen als ausschlaggebend.

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DSAG: SAP, wir nutzen wirklich noch On-Premises

Den Auftakt hat wie immer die Keynote der DSAG gemacht, vertreten durch den scheidenden Vorsitzenden Jens Hungershausen. Die DSAG hat die Ergebnisse ihrer Investitionsumfrage als Grundlage für ein Stimmungsbild genutzt. Weiterhin gilt: S/4HANA-Transformation ist immer noch das Ding – mehr als 50% der befragten Unternehmen nutzen SAP ERP/ECC, das Gleiche stimmt allerdings auch für S/4HANA on-premises. Viele Unternehmen fahren gerade zweigleisig. Ein spontanes Ende “der alten Welt” kurz vor Wartungsende ist nicht zu erkennen. Wobei sich die alte Welt aus Sicht von SAP ja auch auf S/4HANA on-premises erstreckt.

Für die Aussage “S/4HANA on-premises ist der Alltag unserer Mitglieder, das muss SAP akzeptieren” gab es dann auch ordentlich Applaus. Und natürlich die Dauerforderung, dass es keine Nachteile bei Innovation für On-Premises gibt – wobei es gar nicht um Cloud-Verweigerung geht. Nur muss man eine Wahl haben bei der Cloud-Nutzung, und diese müsse dann ohne realitätsferne Nutzungsmetriken nutzbar sein.

Die Grundfrage, die sich auch aus dem Investitionsreport heraus stellt, für viele Noch-SAP-ERP-Kunden: Rentiert es sich, in SAP zu investieren? Ich muss auf S/4HANA, doch was bringt es mir? Wie groß diese Unsicherheit ist, zeigt auch, wie die SAP-Adoption mit KI läuft. 43% der befragten Unternehmen haben KI-Use-Cases im Einsatz, aber in der Regel Non-SAP. Schaut man auf die wirklich produktiven Szenarien, sind 77% davon Non-SAP und nur 3% im SAP.

Da helfen auch nicht mehr Ankündigungen mit der Idee vom Autonomous Enterprise. Joule wird ausgebaut, aber die Lücke zwischen Vision und Nutzen der verfügbaren Produkte ist aus Sicht von Hungershausen deutlich. Der Wunsch: Produktreife statt Ankündigungsdichte. Christian Klein hat 2023 noch gesagt: “Kein Kunde wird zurückgelassen” – und genau das fordert die DSAG jetzt ein.

DSAG-Vorstandsvorsitzender Hungershausen fordert Produktreife statt Ankündigungsdichte

DSAG-Vorstandsvorsitzender Hungershausen fordert Produktreife statt Ankündigungsdichte

Frage an SAP: Wo sind die Agenten?

Traditionell folgte die SAP. Erstmals auf der Keynote-Bühne war Thomas Pfiester, Head of Customer Engagement & Adoption als Mitglied im erweiterten Vorstand. Das wirkte irgendwie nicht wie die erste Mannschaft, ob das terminlich nicht anders ging, ist unklar. Immerhin kommt SAP CEO Christian Klein noch am Donnerstag zum Talk.

Im Wesentlichen wurden die Vorzüge und Fortschritte hin zum Bild des “Autonomous Enterprise” skizziert. Wer bei der Sapphire im Mai 2026 aufgepasst hat, wird wenig Neues entdecken. Was ich im Wesentlichen vermisst habe in der Keynote, ist die Antwort auf die Frage: Wo sind all die Agenten? Ich hatte im letzten Newsletter „Unvollständig umgesetzt | Perspektive SAP IT – September 2026″ Ende September noch überschlagen: Ende August waren 17 Agenten allgemein verfügbar, über 200 für 2026 erwartet. Christian Klein kündigte Anfang September auf einer Goldman-Sachs-Konferenz 400 neue Agenten für den Herbst an. Und Thomas Pfiester sprach jetzt auf der Bühne von 50 Agenten bis Ende des Jahres. Während diese Zahl deutlich realistischer ist, bin ich verwirrt. Was ist denn jetzt hier der Plan?

Für die Unterstützung von Unternehmen auf ihrer Transformationsreise verwies Pfiester auf sieben Migrations- und Modernisierungsassistenten entlang RISE with SAP. Was im Prinzip noch mal zeigt, dass SAP die von der DSAG genannte Realität von S/4HANA On-Premises eher nicht akzeptiert. Insgesamt wirkte die Keynote auf mich uninspiriert, ohne eigene Aussagen und eher ein Auszug aus der Sapphire. Das konnten auch die kurzen Kundenbeispiele nicht herausreißen, die positiv über SAP Public Cloud und Joule-Szenarien gesprochen haben.

SAP-Keynote: Agenten sollen den Weg in RISE with SAP ebnen

SAP-Keynote: Agenten sollen den Weg in RISE with SAP ebnen

Fazit Tag 1

DSAG fordert Produktreife statt mehr Ankündigungen – darauf konnte die SAP in der Keynote wohl nicht mehr reagieren. Mal gucken, was die Folgetage bringen. Was waren eure Eindrücke und Gedanken?

Erst aufräumen, dann autonom

Den zweiten Kongresstag eröffnete der DSAG-Talk der Fachvorstände „Das Autonomous Enterprise zwischen Goldrausch und Realität”. Auf der Bühne saßen Stephan Hüttmann (Financials), Thomas Henzler (Vertrieb, Produktion & Logistik), Michael Bloch (Lizenzen, Vertragswesen & Support) und Hermann-Josef Haag (Personalwesen & Public Sector).

Während die SAP beteuert, dass die Technologie bereit ist, blicken die Fachvorstände da etwas pessimistischer drauf. Tenor: Die Kunden sind es nicht, und SAP ist es auch nicht ganz. Vor das Autonomous Enterprise schiebt sich die Autonomous Readiness, und die heißt vor allem: aufräumen.

Selbst wenn man technologisch bereit ist

Thomas Henzler beschreibt aus seinem eigenen Unternehmen, dass man sich oft nicht traut, den letzten Schritt in der Automatisierung mit KI zu gehen. Bestellanforderung, Planauftrag, Fertigungsauftrag durchautomatisieren? „Lieber nicht.” Man weiß, wo man seine Daten-Leichen im Keller hat. Dann wird lieber nicht der KI-Agent auf die Prozesse losgelassen.

Auf einer Folie in der SAP-Keynote am Dienstag stand ein kostenloses Readiness Assessment. Der Talk hat die angestrebte „Autonomous Readiness” mal ein wenig beleuchtet. Die erreiche ich unter anderem mit harmonisierten Datenmodellen und einer Clean-Core-Strategie. Kurz: Ich muss vorher aufräumen. Etwas, was ja seit Jahren schon im Umfeld der S/4HANA-Migration und AI zu hören ist.
Man sollte sich allerdings auch nicht ständig vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen.
Henzler bringt es auf den Punkt: Macht fertig, was ihr angefangen habt, zum Beispiel bei Migrationen, aber behaltet die BTP im Blick, weil deren Architektur evtl. schon veraltet ist, wenn man sie gerade aufgebaut hat.

Forderungen an SAP

An Forderungen an die SAP hat es nicht gefehlt. Erwähnenswert finde ich vor allem diese:

  • Mit Joule Work können Kunden eigene Integrationen einrichten. Thomas Henzler fordert deshalb klare Regeln, was erlaubt ist: Dürfen On-Premise-Systeme angebunden werden oder nur Cloud-Systeme?
  • Michael Bloch kritisiert, dass SAP-Verträge zunehmend auf Dokumente im Trust Center oder auf Webseiten verweisen, die sich ändern können. Seine Forderung: „Was heute gilt, darf morgen nicht irgendwo auf einer Webseite verändert werden.”
  • Auf der Sapphire hat SAP angekündigt, KI auch für On-Premise-Systeme zu öffnen. Die Bedingungen dafür machen das Angebot laut Bloch für die meisten Kunden „völlig nutzlos”. Dazu kommt: Nach der Sapphire hat SAP die KI-Abrechnung von nutzerbasiert auf kostenfrei umgestellt. Für Neukunden ist das gut, für alle, die nach der alten Logik Verträge geschlossen und Budget eingeplant haben, ein Problem.
  • Als Beispiel für unklare Regeln nennt Bloch die API-Policy: zwei Seiten Policy, im Nachgang 18 Seiten FAQ. Sein Fazit: „Innovation braucht Transparenz.”
  • Stephan Hüttmann fordert, dass auch Unternehmen, die ihre Sprachmodelle aus Datenschutzgründen selbst betreiben, am Autonomous Enterprise teilhaben können. Sonst entstehe eine neue Abhängigkeit: „Autonomie ohne eine KI-Souveränität schafft eine neue Form der Abhängigkeit.”

KI drückt den Kuchen platt

Die Vision des Autonomous Enterprise sei neu, die Lösungen dahinter aber nicht: Cloud ERP, BTP, Business Data Cloud und Business AI sind jedes für sich hochkomplexe Themen, die erst einmal erfolgreich eingeführt sein wollen, dazu kommen neue Kosten. KI kommt auf all das obendrauf, „so ein bisschen wie die Kirsche auf dem Kuchen”, sagte Bloch, nur dass diese Kirsche „ziemlich viel wiegt und den Kuchen vielleicht auch plattdrücken kann”. Das fasst es aus meiner Sicht ziemlich gut zusammen.


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