- 10. Februar 2012

Effizientes Application Lifecycle Management mit dem SAP Solution Manager 7.1

Rund um das Thema Effizientes Application Lifecycle Management (ALM) mit dem SAP Solution Manager 7.1 drehten sich die Thementage der DSAG vom 30.01. bis zum 31.01.2012. Mein Kollege Oliver Gehring und ich haben die Veranstaltung auf der Festung Marienberg in Würzburg besucht und konnten in zahlreichen Vorträgen und Gesprächen mit Kollegen wertvolle Informationen über die im vergangenen Jahr vorgestellte Version des SAP Solution Manager 7.1 sammeln. Neben Erfahrungsberichten verschiedener Unternehmen mit dem Upgrade des SAP Solution Manager 7.1 wurden im Rahmen der Veranstaltung sowohl aktuelle als auch für das EHP5 geplante Funktionen der Orchestrierungslösung der SAP vorgestellt. In diesem Beitrag werde ich mich auf die Upgrade-Erfahrungen, insbesondere in den Bereichen Change Request Management (Change Control), Testmanagement und Landscape Verification konzentrieren. Informationen über Innovationen im Umfeld mobiler Applikationen und zukünftiger Funktionen des SAP Solution Manager 7.1 finden Sie in dem Blogbeitrag meines Kollegen Oliver Gehring.

Erfahrungsbericht: Upgrade SAP Solution Manager 7.1 bei EnBW

Ronnie Kellenberger stellte im ersten Vortrag seine Erfahrungen mit dem Upgrade des SAP Solution Manager 7.1 bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG vor. Das Unternehmen nahm in der Zeit von Juni 2011 bis September 2011 an der Ramp-Up-Phase des SAP Solution Manager 7.1 teil und entschied sich schließlich nach ausgiebigen Tests des neuen Werkzeugs zum Upgrade der bisherigen Solution Manager 7.01.  Im Fokus der ersten Implementierung waren zunächst die ALM-Prozesse Change Request Management und Testmanagement (inkl. Test-Automatisierung).

Change Request Management (ChaRM) bei EnBW. Beweggründe für das Upgrade auf die Version 7.1 waren laut Herrn Kellenberger unter anderem  Überholerproblematiken aufgrund mangelhafter Abhängigkeitsprüfungen von Transportpaketen und der damit verbundenen Notwendigkeit eines Transportsupervisors sowie die Tatsache, dass das Anforderungsmanagement bisher mit zahlreichen unterschiedlichen Werkzeugen wie Jira, dem Solution Manager und Microsoft Excel bearbeitet wurde.

Ziel des Solution Manager Upgrades war folglich die Vereinheitlichung des Change Request Managements und die Etablierung des SAP Solution Manager als sogenannte Single Source of Truth. Die Entwicklerteams sollten durch die vereinfachte Steuerung bei den Entwicklungs- und Genehmigungsprozessen unterstützt werden.

Entgegen der Empfehlungen der SAP AG, den SAP Solution Manager auf einem Double-Stack-System zu installieren, wurde der Solution Manager 7.1 in einem ersten Testlauf auf einem reinen ABAP-Stack-System ohne Unicode-Unterstützung in einer Sandbox-Umgebung eingerichtet. Der Einsatz dieser Systemkonfiguration stellte sich als nicht optimal heraus. Erst nach der Installation des Solution Manager auf dem empfohlenen Double-Stack-System waren sämtliche Funktionen des Solution Managers 7.1 voll einsatzfähig. Besonders hervorgehoben hat Herr Kellenberger die optimierte zentrale  Geschäftsprozessdokumentation im Solution Manager aufgrund der Integration von Change Request Management und dem Testmanagement.

Testmanagement (inkl. Testautomatisierung) bei EnBW. Auch für den Bereich Testmanagement beschrieb Herr Kellenberger zunächst die Ausgangssituation bei EnBW. In der heterogenen Systemlandschaft werden Prozesse systemübergreifend auf SAP- und non-SAP-Systemen ausgeführt. Bisher resultierten hieraus aufwändige Testprozesse für Entwicklungen, deren Testorganisation per Microsoft Excel durchgeführt wurde. Des Weiteren wurden verschiedene Testwerkzeuge für reine SAP-GUI-Oberflächen (eCATT) und non-SAP-Systeme (HP QuickTest Professional 10) eingesetzt.

Zur Unterstützung der Testkoordinatoren sollte der SAP Solution Manager als zentrales Testmanagement-Werkzeug etabliert werden. Die Anwendung stellt laut Herrn Kellenberger durch die vollständige Integration mit HP QuickTest Professional 10 die notwendige Funktionalität zur systemübergreifenden und technologieunabhängigen Testautomatisierung zur Verfügung. Da bei EnBW die SAP-GUI in einer Citrix-Umgebung ausgeführt wird, war es erforderlich, HP QuickTest Professional 10 ebenfalls in der Citrix-Umgebung zu installieren. Nach der Anpassung des SAP-Customizings und der Solution-Manager-Einstellungen entsprechend der SAP How-to-Guides ist laut Herrn Kellenberger das Upgrade im Bereich Testmanagement erfolgreich abgeschlossen worden und die gewünschte Automatisierung von systemübergreifenden Testprozessen im Einsatz. Ausdrücklich weist Herr Kellenberger jedoch darauf hin, dass trotz der unterstützenden Werkzeuge umfangreiche Kenntnisse eben dieser erforderlich ist. Des weiteren müssen die Testfallersteller immer noch über Entwickler- und Prozesswissen verfügen, um die Testfälle generieren zu können.

Abschließend wies Herr Kellenberger darauf hin, dass alle Funktionen des Solution Manager 7.01 auch in der Version 7.1 des Werkzeugs verfügbar sind und sehr stabil laufen. Außerdem wäre die neue Benutzeroberfläche Web-UI sowie die neue Technologie von den Anwendern gut angenommen worden.

Erfahrungsbericht: Upgrade SAP Solution Manager 7.1 bei Ferrero

Auch das Unternehmen Ferrero hat bereits erfolgreich das Upgrade auf den SAP Solution Manager 7.1 durchgeführt. Als Vertreter des Unternehmens teilte Klaus Wehrle den Teilnehmern der Thementage seine  Erfahrungen aus der Ramp-Up-Phase und der anschließenden Einführung des neuen Change Request Managements mit. Herr Wehrle hatte die Einführung bei Ferrero von Beginn der Customer Validation Phase über die Ramp-Up-Phase bis zum finalen Go-Live im November 2011 begleitet.

Change Request Management (ChaRM) bei Ferrero. Ziel der Einführung des neuen Change Request Managements als Teil des SAP Solution Manager 7.1 war die Verbesserung der Übersichtlichkeit, die Steigerung der Benutzerfreundlichkeit und die Optimierung des Reportings. Die größten Herausforderungen, die im Rahmen der 6-wöchigen Customer-Validation-Phase  auftraten, sind mit dem SP2 behoben worden. Herr Wehrle wies an dieser Stelle darauf hin, dass für das Upgrade die neueste System-Landscape-Directory vorausgesetzt wird. Zur Vorbereitung auf die Go-Live-Phase wurden Anwenderschulungen durchgeführt. Diese wurden durch die Anwender gut angenommen und zeigten in der Praxis ihre Wirkung. Trotz der Schulungen zeigte sich jedoch, dass die Umstellung auf die neue Web-UI-Oberfläche den Anwendern vereinzelt Probleme bereitete. Auch auf die Unterschiede des SAP Solution Manager 7.1 zu der Vorgängerversion ging Herr Wehrle ein. Genannt wurden unter anderem die neuen Belegarten für Änderungsanträge (7.0: SDCR, 7.1: SMCR), Dringende Korrekturen (7.0: SDHF, 7.1: SMHF) und normale Korrekturen (7.0: SDMJ, 7.1: SMMJ) sowie neue Web-UI-Oberfläche. Des weiteren wird ein neuer Status „Überprüfung“  verwendet, der eine sachliche Prüfung des Änderungsantrags bereits vor der eigentlichen Genehmigung ermöglicht. Als großen Vorteil nannte Herr Wehrle die Möglichkeit, ab sofort mehrere Change-Manager als Genehmiger in einem Änderungsantrag anzugeben. Einerseits  kann so eine parallele Genehmigung erfolgen, andererseits ist es möglich, die Genehmigung aller Change-Manager erforderlich zu machen. Nachteilig scheint die, im Gegensatz zum SAP Solution Manager 7.0 etwas schlechtere Performance der Benutzeroberfläche und das Check-Out-/Check-In-Verfahren beim Dokumentationsmanagement zu sein.  Herr Wehrle verwies jedoch ausdrücklich auf die wesentlichen Vorteile der neuen Lösung. So werden Änderungsanträge und Änderungsdokumente in der Version 7.1 wesentlich übersichtlicher dargestellt, als es in der veralteten Version noch der Fall war. Zusätzlich stellt die neue Kategorisierung der Änderungsanträge eine große Hilfe dar. Auch die optimierte Transportverwaltung sowie die Möglichkeit, in alle relevanten Systeme abzuspringen, erleichtert in den Augen der Anwender das Entwickeln wesentlich.

Zuletzt empfahl Herr Wehrle alte Belege soweit wie möglich vor dem Go-Live des SAP Solution Manager 7.1 abzuschließen, um nach dem Go-Live des neuen Systems das Arbeiten mit zwei Systemen zu vermeiden. Eine Migration der Belege aus dem SAP Solution Manager 7.0 wurde im Rahmen des Upgrade-Projektes bei Ferrero nicht durchgeführt.

Erfahrungsbericht: Upgrade SAP Solution Manager 7.1 bei BASF IT

Nachdem der Fokus im ersten Teil des Blogbeitrags auf Vorträgen zu den Themen Change Request- und Testmanagement lag, wird nun auf das Thema Landscape Verification mit dem SAP Solution Manager 7.1 eingegangen. Florian Hauk ging in seinem Beitrag auf die Erfahrungen mit dem Upgrade des SAP Solution Managers auf die Version 7.1 bei der BASF IT ein. Grundsätzlich trennt die BASF IT die Solution Manager in zwei Bereiche: Technisch und Applikation. Als Mitarbeiter bei der BASF IT betreuen Herr Hauk und seine Kollegen derzeit etwa 400 SAP-Systeme unterschiedlicher Kunden technisch. Gründe für das Upgrade gab es laut Hauk reichlich. Kurzfristig war die Aktualisierung erforderlich geworden, nachdem im Rahmen einer Black Hat Konferenz verschiedene Security Notes veröffentlicht worden waren. Weiterhin sollte die neue Lösung mittelfristig das Monitoring von HANA, PI und BO ermöglichen und langfristig das bisherige zentrale CCMS ablösen. Durch den Single Point of Truth wird außerdem ein verbessertes Service-Level-Reporting ermöglicht.

Landscape Verification bei BASF IT. Im Rahmen des Upgrade-Projektes wurde zunächst von November bis Dezember 2010 der SAP Solution Manager innerhalb einer Sandbox-Umgebung aktualisiert. Als die Tests mit dieser Umgebung erfolgreich abgeschlossen worden waren, startete im Juli 2011 das Upgrade-Projekt der Entwicklungssysteme. Nachdem auch hier die Nacharbeiten erledigt waren, wurden ab September 2011 auch die produktiven SAP Solution Manager auf die Version SP2 des SAP Solution Manager 7.1 aktualisiert. An dieser Stelle wies Herr Hauk darauf hin, dass auffällig viele Archive, welche aus dem Marketplace heruntergeladen worden sind, korrupt waren. Er empfahl die Verwendung des Download Managers, um diese Problematik zu vermeiden. Nach Einspielung wichtiger Notes und Abschluss der Nacharbeiten traten insgesamt 459 Fehler und Warnungen auf. Dies hatte zunächst zur Folge, dass die Wartung mit den Maintenance Optimizer nur noch bedingt, die Evaluation des technischesn Monitorings gar nicht mehr möglich war. Ursächlich war die nicht triviale Zusammensetzung der Produktsysteme und die Tatsache, dass SAP von einer Produktwartung auf die Komponentenwartung umgestellt hat. So können Systemlandschaften zahlreiche verschiedene Konfigurationen aufweisen. Eine Wartungsstrategie ist laut Herrn Hauk häufig auch deshalb schwierig, weil die Positionen des SAP Solution-Manager-Administrators, des System Administrators und des Applicationowners von verschiedene Personen besetzt werden. Daraus folgt ein hoher Kommunikationsaufwand, da oft nicht klar ist, welchem System eine Komponente zuzuordnen ist. Herr Hauk empfiehlt diesbezüglich dringend den Landscape Verification Wizard (ab dem SAP Solution Manager 7.0 SP22 verfügbar) vor dem Upgrade des SAP Solution Manager auszuführen.

Erfahrungsbericht: Upgrade SAP Solution Manager 7.1 bei Sanofi Aventis

Ralf Punga präsentierte den Teilnehmern seines Vortrags Erfahrungen aus dem Upgrade-Projekt bei Sanofi Aventis, einem der weltweit führenden Gesundheitsunternehmen mit etwa 100.000 Mitarbeitern in mehr als 100 Ländern. Die heterogene und über die Jahre stark gewachsene Systeminfrastruktur verursachte vor dem Upgrade auf die Version 7.1 bei Sanofi Aventis einen enorm hohen Wartungsaufwand und setzte insbesondere spezifisches Expertenwissen voraus. Die Dokumentation der Systemlandschaft stand auch vor dem Upgrade-Projekt bereits im Product and Production System (PPMS) zur Verfügung.

Landscape Verification bei Sanofi Aventis. Durch das Upgrade auf den SAP Solution Manager 7.1 sollte laut Herrn Punga vor allem der Wartungsaufwand der Systemlandschaft verringert und die Qualität der Dokumentation der Systemlandschaft als Basis für den Maintenance Optimizer (MOPZ) verbessert werden. Der Experte empfiehlt hier dringend die Verwendung des System Landscape Directory als Datenquelle und die Installation aller verfügbaren Support Packages und SAP Notes. Genau wie Herr Hauk von der BASF IT legt Herr Punga allen Besuchern des Vortrags nahe, den Landscape Verification Wizard bereits vor dem Upgrade im SAP Solution Manager 7.0 auszuführen. So könne ein Großteil der Probleme nach dem Upgrade auf den SAP Solution Manager 7.1 vermieden werden. Nach Ausführung des Landscape Verification Wizards unter der neuen Version des SAP Solution Managers waren die Ergebnisse bei einer Landschaftsgröße von bis zu 200 angeschlossenen Systemen nach etwa 30 Minuten verfügbar. Die ersten Resultate zeigten jedoch viele unerwartete Einträge mit den Statuswerten „Warnung“ oder „Fehler“. Erst durch die Anpassung der Beschreibungen und Produktversionen der Softwarekomponenten in der SMSY konnten die Ergebnisse des Landscape Verification Wizards verbessert werden. Auffällig ist laut Herrn Punga  die Tatsache, dass besonders neue Systeme fehlerfrei von dem LVW erkannt werden. Probleme treten hingegen bei Systemen auf, bei denen Enhancement Packages (EHPs) nur teilweise installiert worden sind. Zum Abschluss des Votrags bemerkte Herr Punga, dass er besonders nach den umfangreichen Tests bei Sanofi Aventis den SAP Solution Manager 7.1 uneingeschränkt empfehlen kann.

Fazit

Die Erfahrungsberichte der vier Unternehmen zeigen unterschiedlich kritisch die Vor- und Nachteile des SAP Solution Manager 7.1 auf. Trotz anfänglicher Hürden während der Upgrade-Projekte, die auch in Zusammenarbeit mit der SAP bewältigt werden konnten, empfehlen die vier Vortragenden den Einsatz der neuen Version des Werkzeugs. Die Vorteile, die sich Unternehmen bieten, die den SAP Solution Manager 7.1 in ihrer Systemlandschaft einsetzen, überwiegen demnach den Nachteilen.

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